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Was ist der Legierungszuschlag – Definition und Berechnung

Definition

Der Legierungszuschlag (LZ) ist ein Aufpreis, der entsprechend den Kursen der Legierungselemente berechnet wird und um den sich der Grundpreis für nichtrostenden Edelstahl erhöht.

Wie wird der Legierungs­zuschlag berechnet?

Die Berechnung des Legierungszuschlages wird nun Schritt für Schritt beschrieben:
1. Festlegung der Preisbasis der Legierungsbestandteile, die für den Legierungszuschlag verwendet werden.
Üblicherweise werden nur die Hauptbestandteile des entsprechenden Werkstoffes berücksichtigt. Dies sind bei Standard-RSH-Stählen Ferro-Chrom, Nickel, Molybdän und Schrott. Weitere Legierungsbestandteile wie z.B. Kupfer, Titan oder Niob können aber bei entsprechendem Anteil durchaus auch Berücksichtigung finden.

Seit Neuestem wird bei einigen Herstellern aufgrund der enorm gestiegenen Energiekosten ein Energiekosten-Zuschlag berechnet. Dieser wird entweder wie ein Basiswert in den Legierungszuschlag eingerechnet oder separat erhoben.

Die für die Preisfindung zugrundeliegenden Rohstoffpreise sind herstellerabhängig.

Der Zeitraum für die Berechnung der jeweiligen Preisbasis ist meist ein Monat, jeweils berechnet vom 21. des Vor-Vormonats bis zum 20. des Vormonats, zu dem der Legierungszuschlag gilt.

Beispiel:
Hohlstahl bildet z.Zt. noch die Ausnahme, der Legierungszuschlag wird dort zwei Monate im Voraus berechnet, z.T. auch vom 1. des drittletzten Monats bis zum Ende des Vor-Vor-Monats.
Alle Preisbasiswerte des Legierungszuschlags werden zunächst in Dollar gerechnet.
2. Abzug eines Referenzwertes von den ermittelten aktuellen Legierungspreisen.
Von den jeweiligen aktuellen Preisdurchschnitten der Legierungsbestandteile wird ein Referenzwert abgezogen. Da der Legierungszuschlag historisch begründet ein Differenzzuschlag zu einem Standardprodukt zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit ist (Näheres unten unter „Ein Bogen zurück zur Historie“), werden nun die jeweilige Referenzwerte der Legierungen von den jeweils ermittelten Preisen abgezogen. Diese Referenzwerte sind die Basispreise der Legierungsbestandteile zu einem definierten Datum in der Vergangenheit. D.h. der Legierungszuschlag an dem Referenztag X in der Vergangenheit hatte den Wert 0. Die Referenzwerte werden nicht veröffentlicht und sind somit nicht bekannt.
3. Umrechnung in die Zielwährung
Es werden nun die erhaltenen Durschnitts-Basiswerte nach dem Abzug der Referenzwerte in die Zielwährung, z.B. Euro, umgerechnet.
4. Multiplikation der berechneten Basiswerte mit dem Anteil der Legierung an dem Werkstoff und Aufsummierung
Um den Legierungszuschlag zu berechnen, muss nun nur noch der Anteil der jeweiligen Legierung mit dem berechneten Legierungspreis multipliziert und die Bestandteile aufsummiert werden.

Beispiel für Chromanteil:
5. Berechnung des Legierungszuschlags für verschiedene Produktgruppen
Der Legierungszuschlag wird nicht für alle Produktgruppen komplett, wie oben beschrieben, berechnet. Die Hersteller passen die unterschiedlichen Produktionstiefen und den damit anfallenden Mehrschrott des Legierungszuschlags von anderen Produktgruppen durch Anpassungsfaktoren an. So wird z.B. bei geschweißten Rohren, die aus Flachstahl hergestellt werden, aufgrund des zusätzlichen Arbeitsganges des Zuschneidens und Schweißens z.Zt 15% auf den Flachprodukte-Legierungszuschlags aufgeschlagen. Die Anpassungsfaktoren sind in der Regel abhängig von der Verarbeitungstiefe des Produktes.
Übliche Produktgruppen mit Anpassungsfaktoren sind neben geschweißten Rohren z.B. nahtlose Rohre, Walzdraht, Barren/Knüppel, Präzisionsstahl.
Bemerkungen
Sind die Referenzwerte einer Legierung höher als ihr Durchschnittswert, so ist ihr Anteil am Legierungszuschlag null, d.h. es gibt keine negativen Legierungszuschläge.

Da der Legierungszuschlag ein Preisbestandteil ist, obliegt er der Kontrolle der Kartellbehörden, die in diesem Zusammenhang eine Absprache über die Legierungszuschläge verbietet und damit einer Vereinheitlichung der Legierungszuschläge entgegenwirkt.

Auch wenn viele sich einen einheitlichen, nachvollziehbaren Legierungszuschlag wünschen, erwarten wir daher in Zukunft eher eine Erhöhung der Anzahl der Hersteller-Legierungszuschläge, die den Preisvergleich erschweren werden.

Sie können sich aber darauf verlassen, dass wir von LZ-prognose.de auch weiterhin alle Prognosen der gängigen Hersteller-Legierungszuschläge anbieten werden.

Möchten Sie noch etwas über die Historie und Entstehung des Legierungszuschlags wissen?
Dann lesen Sie bitte den Artikel, den wir weiter unten für Sie bereitgestellt haben.

Kann man nun den Legierungs­zuschlag selbst berechnen?

Im Prinzip ja, zumindest annähernd.

Wie aufwendig ist das?

Sehr aufwendig!
Man muss die individuellen und unbekannten Komponenten der jeweiligen Hersteller, wie z.B. Referenzwerte, Rohstoffpreis-Basis und seltener auch die Gewichtung der Legierungen möglichst genau ermitteln. Das erfordert langjährige Erfahrung und Hintergrundwissen.

Gibt es zuverlässige Prognosen der Legierungs­zuschläge?


Zum Glück, ja. 

LZ-prognose.de hat dieses Wissen eingebracht und kann die Berechnung der Legierungszuschläge für alle großen Hersteller in Europa und Nordamerika mit hohem Aufwand sehr genau rekonstruieren.

Damit sind wir in der Lage, mithilfe unserer Rohstoff-Expertise sehr genaue Prognosen der Legierungsbestandteile und damit des Gesamtlegierungszuschlages jedes Werkstoffes (z.Zt über 2.000 Einzelprognosen) individuell zu erstellen.

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Eine grafische Auswertung der letzten 2 Jahre und nähere Einzelheiten finden Sie unter Genauigkeit.

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Wissen Sie eigentlich, warum es Legierungs­zuschläge gibt und wer sie fest­legt?

Ein Bogen zurück zur Historie

Alle Edelstähle haben einen hohen Anteil an hochwertigen Legierungsbestandteilen wie z.B. Chrom, Nickel und Molybdän, die im Vergleich zum Grundwerkstoff Stahl einen hohen Preis haben. 

Diese Legierungsbestandteile waren zwar aus heutiger Sicht damals sehr billig und wenig volatil, hatten aber bereits 1988 dazu geführt, dass die damals üblichen Gesamtpreise für Edelstahlprodukte häufig während des Jahres angepasst werden mussten. Um diese immer neuen Preisvereinbarungen zu verhindern, haben einige Hersteller einen zweiten, nur von den Legierungsbestandteilen abhängigen Preisbestandteil gebildet. 

Dieser sollte die Preisveränderungen der Legierungsbestandteile in Bezug zu einem Basisprodukt zum Zeitpunkt des Beginns der Berechnung beinhalten. Es wurde daraufhin die oben beschriebene Berechnungsmethode entwickelt, wobei die damaligen Referenzwerte den zu Beginn der Berechnung bestehenden Legierungskursen entsprachen. Damit verstand man den Legierungszuschlag als monatliche Korrektur des Basisproduktes aufgrund von Veränderungen der Kurse der Legierungsbestandteile. 
Man konnte so den Basispreis einmal festlegen und einigte sich auf den Legierungszuschlag als variable Komponente des Gesamtpreises, die die Kursschwankungen der einzelnen Legierungen auffangen sollte. Somit waren Nachverhandlungen während der vereinbarten Gültigkeitsdauer der Preise nicht mehr notwendig.

Zunächst war ein Berechnungszeitraum von zurückliegenden 3 Monaten benutzt worden, der eine gute Glättung und damit keine großen Sprünge des Legierungszuschlags versprach. 


Doch dann begann Nickel, einer der wichtigsten Legierungsbestandteile, zu einem begehrten Spekulationsobjekt an der LME (London Metal Exchange) zu werden und die Kurse fingen an, irrationale Verläufe anzunehmen. Der Nickelkurs, der zwischen 1994 und 2003 zwischen 4000 und 10.000 $/t vergleichsweise langsam pendelte, entwickelte von November 2005 (Kurs: 12.000 $/t) eine Dynamik, die im historischen Höchstkurs von 50.000 $/t nur 1 ½ Jahre später im Mai 2007 gipfelte, dann jäh in nur 1 ½ Jahren auf 10.000 $/t (November 2008) abstürzte. Diese Dynamik war mit einem Berechnungszeitraum von 3 zurückliegenden Monaten für die Hersteller nicht mehr tragbar. 


Daher wurde der Berechnungszeitraum auf 2 Monate und zuletzt auf einen Monat zurückliegend festgelegt. Lediglich die Hersteller von Hohlstahl und nahtlosen Rohren haben den Berechnungszeitraum bei zwei zurückliegenden Monaten belassen.

Eine Auswahl aktueller Her­steller von RSH Edel­stählen mit eigenen Legierungs­zuschlägen

Deutschland und EU
Outokumpu: Flachprodukte Deutschland und EU, Langprodukte (Knüppel, Walzdraht, Warmgewalzte und Kaltgezogene Stangen) und Präzisionsband. Outokumpu Legierungszuschläge

Deutsche Edelstahlwerke: Langprodukte (Rohblock, Halbzeug, Stabstahl u. walzgeschält, Walzdraht, Blankstahl/Blankdraht). Die Legierungszuschläge werden nur an Kunden mitgeteilt.

Mannesmann Stainless Tubes GmbH (MST): Hohlstahl und nahtlose Rohre. Die Legierungszuschläge werden nur an Kunden und Interessenten direkt mitgeteilt.
Italien
Acciai Speciali Terni: Flachprodukte. Die Legierungszuschläge werden nur an Kunden mitgeteilt.

Cogne Acciai Speciali S.p.A.: Langprodukte (Knüppel, Rohblock, Stabstahl gewalzt und blank, Draht). Legierungszuschläge Cogne Acciai Speciali S.p.A.
Frankreich
Aperam Stainless Europe: Flachprodukte, Präzisionsband. Legierungszuschläge Aperam Stainless Europe

Ugitech SA: Langprodukte (Halbzeug, Stabstahl gewalzt und blank, Draht). Legierungszuschläge Ugitech SA
Spanien
Acerinox: Flachprodukte, Langprodukte (Stabstahl gewalzt und blank, Walzdraht). Legierungszuschläge Acerinox
TUBACEX S.A.: warm- und kaltgewalzter Hohlstahl. Legierungszuschläge TUBACEX S.A.
Skandinavien
Sandvik Materials Technology: Stabstahl und Hohlstahl sowie Flachprodukte in Speziallegierungen. Homepage von Sandvik Materials Technology.
Nordamerika
ATI: Flachprodukte. Legierungszuschläge ATI

AK Steel: Flachprodukte. Legierungszuschläge AK Steel

North American Stainless (NAS): Flachprodukte, Langprodukte (Stabstahl gewalzt und blank, Walzdraht) . Legierungszuschläge NAS

Outokumpu USA: Flachprodukte, Langprodukte (Walzdraht, Stangen) und Präzisionsband. Legierungszuschläge Outokumpu USA
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